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Spiegelneuronen – ein menschlicher Vorteil

“Gähnen ist ansteckend” – wer kennt diesen Spruch nicht? Tatsächlich müssen wir erstaunlich oft gähnen, wenn unser Gegenüber das tut oder wir lächeln automatisch zurück, wenn wir angelächelt werden. Diese Handlungen beeinflussen wir nicht willentlich, sie werden automatisch von unserem Gehirn produziert. Der Grund dafür sind die so genannten Spiegelneutronen.

Die Spiegelneutronen merken sich bestimmte Verhaltensmuster, Reaktionen und Gefühle. Wenn wir in eine ähnliche Situation kommen, wird die nach dem Hirn angemessene Reaktion automatisch reproduziert. So weinen wir etwa bei einem traurigen Film. Das einmalige bei diesen Neuronen ist, dass sie bereits eine Reaktion verursachen, wenn wir eine eine Situation auch nur beobachten, also nicht aktiv daran beteiligt sind. Die Nervenzellen reagieren jedoch, als ob wir selbst aktiv wären. Wir können jedoch dann wahrnehmen, ob diese Emotionen tatsächlich echt sind, oder ob sie nur gespiegelt werden.

Entdeckt wurden die Spiegelneuronen durch Zufall 1996 vom Forscher Giacomo Rizzolatti. Er erforschte ursprünglich, wie Handlungen im Hirn eines Schimpansen geplant werden. Dabei erkannte er jedoch, dass das Hirn der Schimpansen gleich reagierte, wenn sie selbst nach einer Nuss griffen oder wenn sie jemanden dabei beobachteten.

Schon bei Kindern sind die Spiegelneuronen ausgeprägt. Tatsächlich können schon Babies wenige Tage, nachdem sie geboren werden, Handlungen spiegeln. Ab dem dritten bis vierten Lebensjahr sind die Spiegelneuronen dann vollständig entwickelt. Spiegelneuronen sind für Kinder sehr wichtig, denn nur so können sie “richtige” Verhaltensmuster entwickeln. Indem sie die Handlungen anderer spiegeln, fügen sie sich in die Gesellschaft ein. Allerdings brauchen die Kinder dazu immer jemanden, dessen Handlung sie kopieren können.

Auch in der Evolution und Biologie spielen Spiegelneuronen eine wichtige Rolle. Schon unsere Vorfahren entwickelten die Möglichkeit, sich über Gesten und Mimik zu verständigen. Dadurch gab es einen entscheidenen Vorteil gegenüber anderen Tieren. Deshalb gehen Forscher davon aus, dass wir uns ohne unsere ausgeprägten Spiegelneuronen kaum zu dem hätten entwickeln können, was wir heute sind. Doch nicht nur das Experiment von Rizzolatti zeigt, dass wir nicht die einzigen sind, die Spiegelneuronen besitzen. Bei Tieren, die in Schwärmen auftreten wie etwa Fische oder Vögel, werden mittlerweile auch Spiegelneuronen vermutet.

So oder so gehören Spiegelneuronen zu den wichtigsten Nervenzellen in unserem Gehirn. Ihre Reaktion mag zwar nicht unbedingt vorhersehbar sein, jedoch machen sie uns zu dem, was wir sind und ermöglichen uns ein Leben in einer Gesellschaft mit bestimmten Verhaltensmustern.

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